Unvergessen



Aktualisiert: 30.08.2015 

Ein wundervoller Text zu einem Thema, das jeden Tierhalter angeht:

Erinnern Sie sich?

Eben noch ist der zwölf Wochen alte Welpe durch ihre Wohnung galoppiert, war als Einjähriger der Schrecken aller Kaninchen. Selbst mit 8 Jahren war er nicht zu halten, wenn er einen Ball sah. Plötzlich ist alles anderes. Plötzlich? Nein, die Anzeichen kamen schleichend. Das Aufstehen und Hinlegen fällt schwerer. Das jahrelang bewährte Futter schmeckt plötzlich nicht mehr so richtig. Die Blase drückt viel öfter als früher. Die im Welpenalter aufgebauten Hundefreundschaften werden nur noch kurz beschnüffelt, dann wendet man sich auch schon wieder dem Heimweg zu. Das Bedürfnis nach Wärme und Zuwendung ist größer als je zuvor.
Der Hund ist alt.

Kleine Rassen werden bekanntlich älter als Große, dass spielt aber in diesem Fall überhaupt keine Rolle. Es geht darum dem Hundesenior gerecht zu werden und sich SEINEN Ansprüchen anzupassen. Ihr Hund hat Sie jahrelang begleitet. Er war Ihnen ein treuer Gefährte und Partner. Er hat Ihnen nie vorgeworfen, dass eine Fahrradtour bei 25 Grad im Sommer, im Hundepelz weniger angenehm ist. Er hat gefressen was sie ihm vorgesetzt haben und er hat seine Geschäfte erledigt wenn Sie ihn hinaus ließen. Nun fordert das Alter von Ihrem Hund Tribut und Sie stehen in der Pflicht es für Ihren Gefährten so angenehm wie möglich zu machen. Das sind Sie ihm einfach schuldig.

Das Altern von Tieren jeglicher Art unterscheidet sich kaum von den Alterserscheinungen eines Menschen. Wer kann sich also nicht vorstellen, dass es beschwerlicher ist einen Hügel zu erklimmen als früher. Das die Ohren und Augen in ihrer Sinneskraft nachlassen. Das man jugendlichen Flegeln am liebsten aus dem Weg geht, weil man sich einem Kräftemessen nicht mehr gewachsen fühlt.

Es ist so einfach sich in einen alten Hund hineinzuversetzen, wenn wir uns nur EINMAL die Mühe machen und darüber nachdenken, was gut und wichtig für IHN ist. Würden Sie ihre Oma in der Garage schlafen lassen, weil sie ihren Blasendrang nicht mehr wie früher unter Kontrolle hat?

Würden Sie ihr einmal am Tag eine fette Mahlzeit vorsetzen obwohl sie schon am Morgen nach einer Kleinigkeit verlangt?

Würden Sie ihre alte Oma wirklich einen ganzen Tag alleine lassen? Nein!

Wenn ein Funken Menschlichkeit in Ihnen steckt, dann können Sie diese Fragen nur mit "niemals" beantworten. Unseren alten Hunden aber widerfährt dieses Schicksal auf der Welt millionenfach. Warum?
Halten wir unsere Tieren für seelenlose Maschinen? Das wohl nicht. Aber sie lamentieren und klagen nicht, sie weinen und stöhnen nicht. Vor allem aber klagen sie nicht an und solange sie das nicht tun, schlussfolgern wir, dass es Ihnen gut bei uns geht. Welch fataler Irrtum.

Wenn Sie diesen Teufelskreis durchbrechen wollen und dem Hund die Anerkennung zollen die ihm gebührt, dann haben Sie die Möglichkeit Ihren Freund auf seinem letzten Lebensabschnitt zu begleiten und in aller Ruhe von ihm Abschied zu nehmen. Er dankt es Ihnen tausendfach.

Verbannen Sie ihn auf keinen Fall von seinem gewohnten Schlafplatz nur weil Darm- oder Blase hin und wieder nicht funktionieren. Wenn vorher sein Schlafplatz mit einer Decke ausgestattet war, dann kostet es Sie doch nur ein müdes Lächeln, das Lager mit ein oder zwei weiteren Decken weicher zu gestalten.

Die alten Knochen sehnen sich nach Wärme und das Immunsystem ist krankheitsanfälliger. Also versteht es sich von selbst, dass Sie ihren Hund bei Kälte und Regen nicht draußen abliegen lassen. AUCH WENN IHM DAS IN DEN VERGANGEN 10 JAHREN NICHTS AUSGEMACHT HAT!

Teilen Sie die Futterrationen auf mehrere kleine Mahlzeiten am Tag auf. Reichen Sie ihm sein Fressen wenn er danach verlangt, denn alte Hunde werden in der Regel oft sowieso von Appetitlosigkeit geplagt. Gönnen Sie ihm hin und wieder einen Leckerbissen (z.B. gekochtes Hühnerklein).

Die Gewaltmärsche von früher sind tabu. Statt dessen gehen sie lieber einmal mehr eine kleine Runde. Pflegen Sie ihn weiterhin wie gewohnt. Es gibt keinen Grund, einen alten Hund weniger zu bürsten oder pflegen, nur weil keine Aussicht mehr besteht auf einer Ausstellung mit ihm zu glänzen.

Besonders wichtig ist aber für Ihren Hund, dass er nun besonders auf Ihre Liebe und Fürsorge angewiesen ist. Hunde die zu Lebzeiten keine ausgesprochenen Schmuser waren, entwickeln im Alter eine ausgesprochene Liebebedürftigkeit. Schenken Sie dem alten Hund ihre ganze Aufmerksamkeit. Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, ihm mit zwölf oder gar dreizehn Jahren einen Welpen vor die Nase zu setzten. Die Möglichkeit dazu hatten Sie vorher. Es ist nun ohnehin absehbar, wann Sie sich einen "neuen" Hund ins Haus holen können.

Beobachten Sie ihren Hund. Wenn er Anzeichen von Schmerzen oder krankhafte, körperlichen Veränderungen zeigt, dann ist der Gang zum Tierarzt oder ein Hausbesuch desselben, dringend erforderlich. Es liegt in IHRER Hand, dem Hund Schmerzen zu ersparen.

Sollte es aber für Ihren alten Hund keine Rettung geben, dann sind besonders SIE, als lebenslange Bezugsperson und Rudelführer gefordert. Den Hund auf seinem letzten Weg einem Bekannten oder gar Fremden anzuvertrauen ist unverzeihlich. Er hat ihnen ein Leben lang zur Seite gestanden und es ist IHRE Pflicht, ihn bis zur letzten Minute zu begleiten. Ein Hund der in einer Tierarztpraxis umgeben von Fremden stirbt, ist ein unglücklicher Hund!
Wir alle empfinden bei diesem letzten Gang unsagbare Trauer, Schmerz und Leid. Niemand braucht sich in diesen Minuten seiner Tränen zu schämen. ABER DER HUND IST ES DER STIRBT.
Und er hat ein Recht auf die streichelnden Hände seiner Bezugsperson. Egal wie schwer uns das fällt.

In den letzten Jahren macht sich erfreulicher Weise ein Umdenkungsprozess in der Hundehaltung bemerkbar. Neue Ausbildungsmethoden (z.B. Clickertraining) werden immer mehr Menschen nahe gebracht. Verschieden Hundesportarten (z.B. Agility) lassen Herrn und Hund mit Spaß an die Arbeit gehen. Die Tierschutzgesetze werden verschärft (Kupierverbot). Vergessen Sie aber im Wandel der Zeit Ihren alten Hund und dessen Bedürfnisse nicht. Auch wenn Ihr Hund jetzt noch jung ist oder Sie sich gerade erst mit dem Gedanken befassen eine Hund anzuschaffen, auch Ihr Hund wird alt. Und es ist der biologische Lauf der Dinge die unseren Hund nun einmal früher sterben lässt als uns.

ES LIEGT IN IHRER MACHT IHM DEN HERBST DES LEBENS SO ANGENEHM WIE MÖGLICH ZU MACHEN!!!

(Verfasser unbekannt)

 


 






Benny

Du warst der, den ich immer gesucht hatte, der ideale Hund.

Anhänglich, treu, bereit mich ohne Zögern zu verteidigen, gehorsam und dabei doch so eigenständig, stark und selbstbewußt, dazu noch bildschön.

Du hast den Grundstein meiner Liebe zu Schäferhunden gelegt. Von und mit Dir habe ich gelernt, wie anspruchsvoll diese Rasse ist.

So sehr ich auch an jedem Deiner Nachfolger hänge bzw. gehangen habe, Du wirst immer für mich "Der Eine" bleiben.

7 Jahre durfte ich mit Dir verbringen.

Benny kam als Pflegehund über den Verein Luftbrücke für Hunde e.V. zu mir und schon am ersten Tag war klar, daß er - damals 5jährig - bleiben würde. Ich mußte ihn im Alter von nur 12 Jahren erlösen lassen, da er nach langer Krankheitsge-schichte und langem Kampf komplett gelähmt war.

 

 

 


 

Cora (links im Bild)

Cora, Du warst die Namensgeberin der Tierpension. Zwar lebtest Du zu der Zeit der Planung bereits nicht mehr, aber ich wollte Dir,  der alten Grand Dame mit dem einmalig liebenswert-sturem Charakter ein Denkmal setzen.

2 Jahre durfte ich mit Dir verbringen.

Cora saß in immer schlechter werdendem Zustand mit ihren 11,5 Jahren im Duisburger Tierheim. Da sie sich sehr gut mit Benny verstand, zog sie zu uns. Und wer war wohl der Chef:-))

Mit 13,5 Jahren platzten wohl Tumore in ihrem Körper auf und sie verstarb in meinen Armen in ihrem so geliebten warmen Wohnzimmer.   

 

 

 
   

 

Paulchen und Vicky

Ich sehe Euch noch monatelang verängstigt hinter meinen Aktenordnern in meiner Hamburger Wohnung sitzen. Nach einigen Monaten taute  Paulchen langsam auf, nach 1,5 Jahren durfte ich auch Vicky endlich anfassen. Viele Umzüge habt Ihr mit mir mitgemacht, auf verschiedenen Arten gelebt, spannend war Euer Leben immer. Mit ca. 18 Jahren starb Paulchen im Beisein von Vicky und mir auf meinem Bett an Altersschwäche, 4 Jahre später folgte Vicky ihm nach. Von Euch habe ich gelernt, was Mensch mit Geduld selbst bei so scheuen Tieren wie Euch erreichen kann.

10 bzw. 14 Jahre durfte ich mit Euch verbringen.

Paulchen und Vicky holte ich 2 bzw. 6jährig als extrem scheue Katzen aus der Süderstraße zu mir. Die erste Zeit waren wir eine reine WG, dann sind wir nach und nach - samt der Hunde - zu einer echten Lebensgemeinschaft zusammenge-wachsen. Mal lebten sie als reine Wohnungskatzen, dann wieder als Freigänger. Solange Katzen bei ihrem Menschen bleiben dürfen, machen sie dies problemlos alles mit; dies ist zumindest meine Erfahrung. 

 

 

 

 

Bobby

Was warst Du doch für ein Aas von einem Hund, als ich Dich in einem hiesigen Tierheim entdeckte. Seit 2 Jahren wartetest Du dort schon - inzwischen 13,5 Jahre alt - auf ein letztes Zuhause. Du warst völlig ungepflegt und vergnöttert. Aber bei uns Beiden war es Liebe auf den ersten Blick, ich durfte einfach alles mit Dir machen. Du warst damals schon taub, wurdest dann auch noch blind, aber hast bis zum letzten Tage hier das Zepter in der Pfote gehabt. Nachdem Du zwei Schlaganfälle an einem Morgen hattest, habe ich Dich in hohem Alter von 15,5 Jahren gehen lassen.

2 Jahre durfte ich mit Dir verbringen.

 


Resi und Augustin

Ihr zwei Turbohoppler seid zu Anfang meiner Pensionszeit mal hier "hängen geblieben". Ganzjährige Außenhaltung hat Euch wohl deutlich besser gefallen als ein Leben im Käfig. Nachdem Resi im Alter von 8 Jahren verstorben war, durfte Augustin auf die Gnadenwiese vom Verein Sweetrabbits ziehen. Leider blieben ihm dort nur noch einige Monate. Er wurde deutlich über 10 Jahre alt.

3 Jahre durfte ich mit Euch verbringen.

 

 


Cora aus Ibiza

Du schwarze Lady warst nicht gerade mein liebenswertester Oldie, wußtest Du doch immer Deinen spanischen Dickkopf durchzusetzen. Eigentlich solltest Du nur zur Pflege zu mir kommen, aber schnell wurde beschlossen, daß Du bei mir Dein Altenteil genießen solltest. Nachdem Dir das Laufen immer schwerer fiel und Du irgendwann garnicht mehr aufstehen konntest, habe ich Dich  auf Deinem so geliebten "Pupskissen" gehen lassen.

2,5 Jahre durfte ich mit Dir verbringen.

 

Rolf

Du warst schon ein 15 Jahre alter Herr, als Du aus dem Tierschutzliga Dorf zu mir kamst. Für mich war klar, daß Du Dich niemals mit meinem Benny verstehen würdest. Wie wurde ich eines Besseren belehrt. Ihr wart die besten Freunde und als es ihm so schlecht ging, warst Du ständig bei Deinem Kumpel. Trotz Deines Alters hattest Du so viel Lebensfreude und ich bin heute noch für jeden Tag dankbar, den ich Dich bei mir hatte.

1,5 Jahre durfte ich mit Dir verbringen.

Rolf hatte einen schweren Schlaganfall, von welchem er sich nicht wieder erholt hat. Da habe ich ihn in seinem geliebten weichen Körbchen ruhig und zufrieden gehen lassen.    

 

 

 
 

 

Pumuckel

Du warst eine der vielen wilden oder halbwilden Katzen, die bei mir die Möglichkeit bekamen, "Fuß zu fassen". Du bliebst, fingst reichlich Mäuse und wurdest mit der Zeit so zutraulich, daß Du sogar Streicheleinheiten genießen konntest. Nur ins Haus hast Du nie gewollt. Eines Morgens lagst Du tot vor dem Zaun; angefahren? Ich werde es nie erfahren.

Mehr als 2 Jahre hieltest Du mein Grundstück mäusefrei.

 

 

 
   

Feivel

Im November 2012 kamst Du aus dem Tierschutzliga Dorf zu mir in Dein letztes Zuhause. Du warst eine Seele von Hund. Lange habe ich um Dich gekämpft, schon im Januar 2014 dachte ich, es geht nicht mehr. Aber Du hieltest durch, bis ich Dich ganz, ganz schweren Herzens am 15.08.2014 gehen lassen mußte.

Mach's gut, Du mein schwarzer, liebenswerter Herzenshund.

Fast 2 Jahre durfte ich Dich bei mir haben.

   

Prinz

Im Februar 2014 kamst Du über die DSH-Nothilfe zu mir als Gnadenhund. Dein Besitzer hatte Dich nach seinem Auszug einfach "vergessen". Du warst so ein richtiger Grummelkopp und hast mehr als einmal versucht mich zu beißen. Aber mir bleiben vor allem Deine super Sozialverträglichkeit mit Artgenossen sowie unsere Sofa-Kuschelstunden in Erinnerung. Im August 2015 waren Deine Kräfte zu Ende und ich habe Dich schweren Herzens gehen lassen.

1,5 Jahre konnten wir zusammen kuscheln.

 

Du warst bei mir bis zum Ende...
und auch nachdem ich schon gegangen war,
hast Du mich noch eine Weile gehalten...
Ich sehe Dich weinen...
Ich würde Dir so gerne sagen, dass ich alles verstanden habe...

Du hast diese letzte Entscheidung nur für mich gefällt...
und sie war weise...
Es war Zeit für mich zu gehen.
Ich danke Dir für Dein Verständnis.
Niemand wird meinen Platz einnehmen...
Aber die, die nach mir kommen, brauchen die
Liebe und Zuneigung, so wie ich sie hatte...

Du denkst immer an mich, das sind Momente,
wo Du so unendlich traurig bist.
Bitte, denke nicht voll Trauer zurück,
denke nur daran wie glücklich wir waren.
Und wenn die nächsten Wegbegleiter, dich für
immer verlassen müssen, dann werde ich an
der Regenbogenbrücke auf sie warten...
Ich werde ihnen danken, dass auch sie Dich glücklich machten...
und ich werde auf sie aufpassen, für Dich!

Ich danke Dir dafür,dass Du mich geliebt hast,
du für mich gesorgt hast und Du den Mut
hattest, mich mit Würde gehen zu lassen...

Dein treuer Wegbegleiter

 

  Diese Worte fand die Deutsche Schäferhund Nothilfe als Abschied für Prinz. Sie sind so schön und ver-deutlichen, was jeder Abschied für uns Tierhalter bedeutet.

Gerade wir Gnaden- und Hospizstellen müssen uns häufiger von liebge-wonnenen, tierischen  Lebensgefährten trennen.

Es tut jedes Mal unglaublich weh, aber zu sehen, wie das nächste Gnadentier in hohem Alter an Lebensfreude gewinnt, entschädigt mich für diese letzten Schritte.